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Deutsche Meisterschaften
Wettkampfregeln 2007
Sonstiges 921211 Abrufe und 1478 Mitglieder seit dem 09.02.1997.
Letzte Änderung: 21.06.2007 |
Nachlese der ersten Deutschen Meisterschaften Persönliche Eindrücke von Johannes Markmann Während des Chaoscongresses in Hamburg fanden die ersten Deutschen Meisterschaften im Schlossöffnen statt. Ich habe ungefähr sechs Wochen lang (täglich ca. 4 bis 6 Stunden) für diesen Wettbewerb trainiert. Das waren sechs Wochen mit dem Wissen , dass es nicht einfach werden würde, diesen Wettkampf zu gewinnen. Meine Strategie bei der Vorbereitung war in erster Linie, so viele Schlösser wie möglich öffnen zu können; in zweiter Linie suchte ich mir mein Meisterschaftsschloß so aus, dass es für die anderen verdammt schwer werden sollte, es zu öffnen. Es war ein einfaches, fünfstiftiges Zylinderschloß mit drei Besonderheiten. Erstens waren die Bohrungen für die Stifte außerhalb der Mittelachse plaziert, zweitens waren die Bohrungen der Stiftführungen extrem größer als der Stiftdurchmesser, drittens verhielt sich das Schloss beim Öffnen immer unterschiedlich, ich hatte ein launisches Schloss.
Bei mir liefen wilde Gedankenspiele ab. Was bedenkt der andere Wettkampfteilnehmer bei der Auswahl seines Meisterschaftsschlosses? Sucht er sich das komplizierteste Schloss aus, das er gerade noch innerhalb der festgelegten fünfzehn Minuten öffnen kann, oder sucht er sich ein Schloss aus, das er für recht kompliziert hält, aber doch schnell und zuverlässig öffnet. Meine Gedanken kreisten um die Frage: "Wie gut werden die anderen sein?" Ich kannte bis dahin ausser der Leipziger Sportgruppe nur Steffen und Jürgen aus Hamburg. Von beiden wußte ich, dass sie recht gut im Schlossöffnen sind. Dank verschiedener Leipziger Schlüsseldienste, die alte Schlösser für mich aufheben, hatte ich selbst genug Übungsmaterial, um mein Können auszufeilen. Tag für Tag probierte ich nun, die mir fremden Schlösser zu öffnen. Am Anfang durchschaute ich nur zwei oder drei. Doch dann, nach langem Üben und einigen Frustrationen, wurden es immer mehr Schlösser, deren physikalischen Code ich zu entschlüsseln lernte. So gerüstet fuhr ich mit dem persönlichen Ziel, wenigstens unter den drei Besten zu landen, nach Hamburg. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass so viele (23) Sportsfreunde mit vermutlich eben diesem Ziel auch an den Meisterschaften teilnehmen würden.
Ich wollte kühl und bedacht die Wettkämpfe antreten. Es kam anders. Beim ersten Schloß in der Vorrunde, die in drei Gruppen ausgetragen wurde, mußte ich mit Erstaunen feststellen, wie ernst ich diesen Wettkampf nahm. Ich bebte und zitterte am ganzen Körper. Das verblüffte mich selbst. Doch die erste Hürde der Vorentscheidung konnte ich nehmen und qualifizierte mich für die Endkämpfe. Am Abend des ersten Wettkampftages konnten die Hardliner unseres Vereins ihr Hobby nicht lassen und nahmen sich Zeit zu fachsimpeln. Dann gab mir Reinhard aus Hamburg sein Meisterschaftsschloss zum Üben. Das verblüffte mich, denn wer wirklich nur auf Sieg trainiert, macht so etwas nicht. Meine Verwunderung erreichte ihren Höhepunkt, als er mir dann noch genau erklärte, mit welchen Kniffen er sein Schloss öffnet. Dieser Offenheit wollte ich nicht nachstehen und begann, mein biestiges Schloss zu offenbaren. Arthur, unserer Vizepräsident, hörte sich auch meine Erklärungen an und versuchte, mein Schloss in den Griff zu bekommen. Während der Austragung der Königsdisziplin "Handöffnen" war ich froh festzustellen, dass es in unserem Verein Fair Play gibt; dass es in erster Linie um den Erfahrungsaustausch geht und nicht um das hässliche "Gewinnen um jeden Preis". So war es Normalität, während der Wettkämpfe gerufene Fragen zu hören wie: " Jürgen, wie muss ich die Stifte setzen?" oder "Erst den dritten, dann den zweiten?". Wenn jemand das Schloss nicht aufsperren konnte, kam es auch öfters vor, dass der Schlosseigner hinter dem Wettkampfteilnehmer stand und Tips gab, wie das schwierige Schloss zu überlisten sei.
Das für mich schönste Erlebnis der zwei Wettkampftage war, als ich mitansehen durfte, wie Arthur mein wirklich kompliziertes Schloss nach 14 Minuten und 34 Sekunden öffnete. Die Freude, dieses "Mistschloss" erlegt zu haben, stand überdeutlich in sein Gesicht geschrieben. Am liebsten würde er jetzt das Teil in Plexiglas eingiessen, um nie wieder seinen goldenen Hook in die dunklen Eingeweide dieses Schlosses versenken zu müssen. |